Rationalität und Regelfolgen

Von der Rationalität des Irrationalen.

Hans Rudi Fischer

„Vernunft ist der Wahnsinn aller“ B. Spinoza

Rationalität, Regelfolgen und logisches Schließen

Bei der Bestimmung des Menschen als rationales Wesen spielt die Logik eine fundamentale Rolle. Unser westliches Verständnis von Rationalität orientiert sich an der Logik und ihren Denk- und Schlußgesetzen. In der Logik versucht man seit Aristoteles die gültigen von den ungültigen Schlußfolgerungsformen zu scheiden, um der Vernunft den Königsweg zu wahrer Erkenntnis zu weisen.
Wenn man sich mit psychischer Krankheit beschäftigt, dann sind die Leitdifferenzen interessant, die Einschluß bzw. Ausschlußmechanismen von Rationalität konstituieren und historisch zementieren. Im Falle der Unterscheidung psychisch krank versus psychisch gesund gilt ein Abweichen von den „Schlußgesetzen“ der Logik seit alters her als Ausschlußkriterium aus dem rationalen Diskurs.
Bei "psychisch gestörten" Menschen, beim Irren, scheint die logische Ordnung, die wir Rationalität nennen, absent zu sein: Hier scheint sich Irrationalität in Form einer in Unordnung geratenen Logik zu zeigen. Die psychiatrische Ordnung teilt die Auffassung der philosophischen Logik, daß es sich bei den “Denkgesetzen um fundamentale Prinzipien der Rationalität handelt, und spricht demgemäß von “Denkstörungen, von paralogischem Denken. Die Unterscheidung logisches versus paralogisches Denken (paralogismos, griech: falscher, inkorrekter Schluß) fokussiert auf die Verfahrensweise des Verstandes, Schlüsse zu ziehen.
Wenn Schließen als ein Regeln folgender Übergang von A nach B, vom einen aufs andere, begriffen werden kann, dann sind bei allen Prozessen, die wir Denken, Erkennen nennen, regelgeleitete Schlüsse1 am Werk.
Ich möchte zeigen, daß sich menschliche Rationalität nicht nur nicht auf den Gebrauch logischer, apriorisch gültiger Schlußfolgerungsmuster (Syllogismen) reduzieren läßt, sie ist meist auch nicht an diese Form "logischer Gesetze" gebunden.
Der über Jahrtausende kultivierte Irrationalitätsvorwurf gegenüber dem logisch Anderen könnte sich selbst als zutiefst irrational erweisen, weil er auf einem rational nicht zu rechtfertigenden Glauben an die Gültigkeit, Vollständigkeit und Reichweite der Logik basiert. Wenn gezeigt werden kann, daß wir alle genauso schließen wie es angeblich „Verrückte" tun, dann läßt sich „paralogisches“ Schließen als rationales Kriterium für Irrationalität nicht halten.

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Der Philosoph und Logiker Charles Sanders Peirce (18391914) hat mehrere Jahrzehnte lang die logisch und wissenschaftstheoretisch etablierten Denkformen Deduktion und Induktion untersucht und durch eine Schlußweise erweitert, die er Abduktion nannte. Die Rolle und Funktion dieser Schlußweise möchte ich in diesen Aufsatz ausführlich entwickeln, um sie für das Verstehen hermeneutischer Prozesse insbesondere bezüglich „irrationaler“ Denk- und Kommunikationsweisen fruchtbar zu machen.
Die Abduktion bzw. das abduktive Schließen ist für mich besonders interessant, weil es auf der Basis logischer Rationalität paralogisch, irrational ist, dennoch scheint es mir psycho-logisch die relevanteste Form des Denkens überhaupt. Ich werde paralogisches Denken im Horizont abduktiver Schlußweisen interpretieren, weil ich darin die Chance sehe, Rationalität im Irrationalen zu entdecken bzw. zu erfinden, also eine von der Logik abweichende Rationalität zu erkennen. Es geht mir um die Begründung einer hermeneutischen Logik, die “verrücktes Denken und Handeln nicht als irrational ausschließt, sondern als andere Form von Diskursivität faßt, die prinzipiell verstehbar ist.
Gerade die paralogischen Denkmuster sind es, die in Mythos und Poesie ebenso anzutreffen sind wie in Traum, Wissenschaft und der Wirklichkeit unseres alltäglichen Denkens. Solche Verstöße gegen logisch gültige Schlußfolgerungen sind nicht nur der Kern alles Kreativen, alles Neuen, sondern paradoxerweise auch Voraussetzung, das Leben mit der Logik zu versöhnen.
Insofern möchte ich hier zur Entzauberung des Mythos von der logosgeprägten Rationalität beitragen und zeigen, daß unser tatsächliches Denken durchzogen ist von paralogischen, d. h. dem magischen bzw. mythologischen Denken zugeschriebenen Denkfiguren, wie sie auch als charakteristisch für das sogenannte schizophrene Denken aufgefaßt wurden und teilweise noch immer werden.
Unser Denken, mit seinen schlußfolgernden Übergängen, ob logisch korrekt oder paralogisch, ist per se unsichtbar.

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Bild 1: Titel: Der Sprachgebrauch (Der Verrat der Bilder)

Der belgische Maler René Magritte (1898-1967) hat uns gelehrt, das Denken - unser Denken - zu sehen. Seine Kunst zielt nach eigenem Bekunden darauf ab, das Denken sichtbar zu machen. Vor allem hat er die vielen Facetten der Beziehung von Bild und Abgebildetem, von Darstellung und Dargestelltem, von Sprache und Welt immer wieder reflektiert. Mit dieser Fragestellung, die sehr an Wittgenstein erinnert, bewegte er sich im Bereich philosophischer und erkenntnistheoretischer Überlegungen, die er in seiner eigenen Bildersprache umgesetzt und ausgeführt hat. Michel Foucault hat einem der berühmtesten Magrittschen Bilder, „Der Verrat der Bilder“, ein kleines Buch gewidmet, dem ein Briefwechsel mit Magritte vorausgeht.2 Ich möchte in diesem Artikel verschiedene abstrakte Argumentationen mithilfe von Magritteschen Bildern illustrieren bzw. verfremden. Die Bilder sollen auf paralogische Weise den Text kommentieren und umgekehrt.

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Exotisches Denken: Sind Indianer Hirsche und Erdbeeren Nüsse?

Michel Foucault ließ sich zu seinem Buch Les mots et le choses von einer „Enzyklopädie“ inspirieren, die die Ordnungen unseres vertrauten Denkens fundamental erschüttert und einen „exotischen Zauber“ entfaltet, der uns die schiere Grenze des Undenkbaren vor Augen zu führen scheint.3 Foucault zitiert eine wiederum von Jorge Luis Borges selbst „zitierte“ chinesische Enzyklopädie bei der sich:

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„die Tiere sich wie folgt gruppieren:

  • a)Tiere, die dem Kaiser gehören
  • b) einbalsamierte Tiere
  • c) gezähmte
  • d) Milchschweine
  • e) Sirenen
  • f) Fabeltiere
  • g) herrenlose Hunde
  • h) in diese Gruppierung gehörige, die sich wie Tolle gebärden
  • k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind
  • l) und so weiter
  • m) die den Wasserkrug zerbrochen haben...“

(zit. nach Foucault, 1974, S. 17)

Bild 2:

René Magritte, Der Schlüssel der Träume (1930) Wortbilder und Denkbilder, das eine als Rahmen des anderen, jeweils eingerahmt und dadurch als Bild erkennbar, alles wieder in einem (Fenster-)Rahmen. Der Titel des Bildes wiederholt als „Wortbild“ in Relation zum so betitelten Bild die Logik des Beziehung von Wortbildern und Denkbildern im Bild. Ein Bild ist ein Bild ist ein Bild.... Der Schlüssel der Träume.
Wie wird hier das Gleiche und das Andere gehandhabt, daß es in der Lage ist, unser Denken so massiv zu irritieren, daß wir diese „Enzyklopädie“ für undenkbar, für verrückt halten?

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Die von dem argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges fingierte Enzyklopädie macht die prinzipielle Willkürlichkeit aller Taxonomien deutlich, in der jedes Zeichen semantisch mit allen anderen des Zeichensystems vernetzt sein kann (wie auch Magrittes Schlüssel der Träume zeigt), weil das Kriterium des „Gleichen“ mit dem „gemessen“ wird vom Beobachter vor der Beschreibung bzw. Beobachtung etabliert werden muß. Wir haben hier ein fiktionales Beispiel eines Denkens vor uns, das vor den Ordnungsmaßstäben der Logiker „paralogisch“ ist.
Foucault charakterisiert Ähnlichkeit als fundamentale Kategorie für die episteme bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert. Denken in Ähnlichkeiten ist für ihn das Grundprinzip der Wissensorganisation bis ins klassische “Zeitalter der Repräsentation(17. Jahrhundert, Descartes), wo dann sukzessiv das Denken in Identitäten und Unterschieden grundlegend wurde. Was in unserem Jahrhundert als paralogisches oder päleologisches Denken bezeichnet wurde, war für das vorklassische Denken bis ins 17. Jahrhundert akzeptiert man Foucaults Archeologie - die normale Wissensorganisation. Foucault nennt das Denken in Ähnlichkeiten, das für ihn heute nur in der Kunst lebendig gehalten wird, auch “Homosemantismus (S. 82) und sieht die Verwandtschaft zwischen dem Irren und dem Dichter auf dem Tableau von Ähnlichkeiten an den entgegengesetzten Polen: Der Irre “sieht überall nur Ähnlichkeiten und Zeichen der Ähnlichkeit. Alle Zeichen ähneln sich für ihn, und alle Ähnlichkeiten haben den Wert von Zeichen. In dem anderen Extrem des kulturellen Raums... ist der Dichter derjenige, der unterhalb der genannten und täglich vorhergesehenen Unterschiede die verborgenen Verwandtschaften der Dinge und ihre vertrauten Ähnlichkeiten wiederfindet.. (S. 81)
Borges fiktives Beispiel für „exotisches“ Denken ist wie Magrittes Schlüssel der Träume auch ein Beispiel für Verfremdung. Die Sicht, die Beschreibung von Phänomenen, Dingen durch die Brille (das Konzept) einer anderen Taxonomie bzw. Grammatik ist ein Akt der Verfremdung: das vermeintlich Vertraute erscheint fremd. Unter dem Bild einer Pfeife steht : Dies ist keine Pfeife. Unter dem Bild eines Hammers steht: Die Wüste....
Um das Fremde, das andere Denken zu entdecken, muß man nicht andere Kulturen oder andere Zeiten bemühen, man braucht nur auf die gleichzeitig existierenden und parallel operierenden Grammatiken einer Kommunikationsgemeinschaft zu schauen. Ich möchte hier ein einfaches Beispiel aus dem Sprachspiel über Früchte anführen. Das umgangssprachliche Sprachspiel dessen Grammatik sich viel eher an sichtbaren „Ähnlichkeiten“, am Visuellen, an der „Oberfläche“ orientiert, bezeichnet bestimmte Früchte als Beeren, andere als Nüsse. Zu den Beeren gehören Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren etc. Zu den Nüssen gehören Erdnüsse, Kokosnüsse, Paranüsse etc. Spielt man das entsprechende Sprachspiel der Botaniker, so erhalten wir eine völlig andere Ordnung, die von den sichtbaren Ähnlichkeiten das Alltagssprachspiels völlig abstrahiert und entsprechend abweicht. Zugehörig zu den Beeren finden wir da die erwartbare Himbeere, aber auch so unerwartbare Früchte wie die Zitrone, die Banane oder die Salatgurke. Bei den Nüssen sieht es nicht minder „exotisch“ aus, dazu gehören für den Botaniker nicht nur die erwartbaren Erdnüsse, sondern ebenso unerwartbare Früchte wie bspw. die Erdbeere („Sammelnussfrucht) oder die Edekastanie.
Die Exotik und Fiktionalität von Borghes Beispiel wird sofort relativiert, wenn wir auf der Basis der botanischen Taxonomie folgende berechtigte Gleichungen aufstellen:

Eine Erdbeere ist eine Nuß.
Eine Banane ist eine Beere.

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Es ließen sich aus der Zoologie ähnlich bizarre aus der Sicht des common sense - Verwandtschaftsordnungen anführen. Dabei ist zu beachten, daß solche Sätze wie „Eine Banane ist eine Beere“ Schlußfolgerungen auf der Grundlage einer Logik (Grammatik der Beschreibung) sind, die in sich konsistent und regelhaft ist. Der Botaniker kann unter Rückgriff auf die Logik seiner Kriterien (seiner Regeln bzw. Grammatik) der Verwendung des Begriffs der Beere genau erklären, warum eine Banane zu den Beeren gehört. Dabei muß er auf implizite Prämissen zurückgreifen, die sich als „grammatische Fixierungen“ herausstellen, als Festlegung einer „Meßmethode“ mit der die Wirklichkeit vermessen und organisiert wird. Die Metapher der „Meßmethode“, die Wittgenstein gelegentlich gebraucht, läßt sich hier ersetzen durch die der „Denkmethode“ oder des „Denkgesetzes“. Es handelt sich dabei dann nicht um einen Denkfehler, wenn der Botaniker sagt, eine Banane sei eine Beere, sondern um eine vom Alltagsdenken abweichende, andere Art des Denkens.
Wittgenstein reflektiert diese Fragen immer wieder in seiner Philosophie der Logik. In welchem Sinne sind logische Gesetze als "Denkgesetze" absolut und universell gültig oder inwieweit sind sie konventionell, kulturell geprägter Maßstab für „richtiges Denken“. Im Zusammenhang der Diskussion um Gottlob Freges Psychologismus-Kritik macht Wittgenstein eine Bemerkung, die ich ganz zitieren möchte:
"In seinem Vorwort zu "Grundgesetze der Arithmetik" spricht Frege davon, daß die logischen Gesetze keine psychologischen Sätze. Das heißt, wir können die Wahrheit der logischen Sätze nicht durch eine psychologische Untersuchung herausfinden - sie hängen nicht von dem ab, was wir denken. Frege stellt dort die Frage, was wir den sagen würden, wenn wir auf Menschen stießen, die im Gegensatz zu unseren logischen Sätzen urteilen. Was würden wir denn sagen, wenn wir auf Menschen stießen, die unsere logischen Gesetze nicht a priori anerkennen, sondern durch einen langwierigen Induktionsprozeß zu ihnen gelangen? Oder wenn wir gar Menschen fänden, die unsere logischen Gesetze überhaupt nicht anerkennen und logische Sätze aufstellen, die den unseren entgegengesetzt sind? Frege schreibt: "ich würde sagen: "Hier haben wir eine neue Art von Verrücktheit" - während der psychologische Logiker nur sagen könnte: "Dies ist eine neuartige Logik". (Wittgenstein 1970, S. 243f.)
Etwas, das nicht den Gesetzen der Logik gehorcht ist demnach "verrückt", defizitär, wird ins Pathologische verdrängt. Solche Prozesse hat Foucault in seiner Diskursanalyse zum Wahnsinn ans Licht gebraucht. Daß man anders Denken kann, gilt selbst als nicht denkbar. Ich favorisiere hier die Anwort des „psychologischen Logikers“, daß verrücktes Denken (und Sprechen) nicht als Denkfehler begriffen werden sollte, sondern als andere Art des Denkens. Nur so kann es als prinzipiell anschlußfähig an den Diskurs der Kommunikationsgemeinschaft verstanden werden.
Anderes Denken folgt anderen Regeln, einer anderen Grammatik. Wittgenstein dekonstruiert in seinem mittleren Werk Schritt für Schritt den Glauben an die absolute Gültigkeit der Logik und spricht von Logiken im Plural, schließlich ersetzt er den Begriff der Logik durch den der Grammatik, als der Logik, die das umgangssprachliche Denken und Sprechen reguliert und strukturiert (vgl. den Aufsatz Rationalität... in diesem Band). Vor dem Hintergrund des Gedankens einer anderen Grammatik bzw. Logik, die möglicherweise in sich kohärent und konsistent ist, möchte ich mich nun dem klassischen Paradigma der Psychiatrie für „verrückte Logik“ zuwenden.

Exotische Schlüsse: Erdbeeren sind Nüsse und Indianer sind Hirsche

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Der niederländische Psychiater Eilhard von Domarus4 hat in den Vierziger Jahren (1944) das Denken von schizophren diagnostizierten Patienten untersucht und den Kern der schizophrenen „Denkstörung“ in einer bestimmten Abweichung vom deduktiv-syllogistischen Schließen ausgemacht. Die Ergebnisse der Analyse von Domarus´ wurden in der psychiatrischen Forschung eine Zeitlang sehr intensiv rezipiert und beforscht, sie spielt heute jedoch nur noch eine untergeordnete Rolle. Obwohl ich zeigen möchte, daß ich das Von-Domarus-Prinzip aus logischen Gründen für falsch halte, steckt dennoch ein möglicher Schlüssel zum Verständnis „schziophrenen Denkens“ in ihm.
Von Domarus beschreibt einen als schizophren diagnostizierten Patienten, der an eine „Identität“ zwischen Jesus, einer Zigarrenschachtel und Sexualität glaubte. Ein Beispiel „exotischen“ Denkens oder ein Beispiel von Poesie? Eine nähere Untersuchung des Falles ergab, daß das „missing link“, das diese drei Begriffe für den Patienten verband, die Eigenschaft des „Umgebenseins“ („encircled“) war. Der Kopf von Jesus war für ihn mit einem Heiligenschein umgeben, die Zigarrenschachtel mit einer Steuerbanderole, die Frau vom sexuellen Blick des Mannes (a.a.O. 108 f.). Die „Objekte“ (Jesus, Zigarrenschachtel..) haben im Gegensatz zu „normal“ denkenden Personen - für den schizophrenen Patienten also etwas gemeinsam, was sie verbindet. Das heißt es „gibt“ ein Diskursuniversum, in dem sich die entsprechenden Begriffe in so „begegnen“, daß sie zur selben Klasse gehören. Für den Patienten wird eine verborgene Verwandtschaft von augenscheinlich sehr disparaten Dingen sichtbar, die für den Normalbeobachter unsichtbar bleibt.5
Von Domarus unterstellt, daß sich die übliche Form unseres Denkens im Modus Barbara bewegt, der deduktiven Schlußform der ersten Figur6, deren bekanntestes Beispiel das vom sterblichen Sokrates ist:

1. Prämisse (Regel/Major): Alle Menschen sind sterblich (MaP)
2. Prämisse: (Fall/Minor) Sokrates ist ein Mensch (SaM)
Konklusion/Ergebnis: Sokrates ist sterblich. (SaP)

Der kategorische Syllogismus setzt drei Begriffe S (Subjekt), Prädikat (P)und M (Mittelbergriff, in drei Aussagen (Major/Obersatz, Minor /Untersatz und Conclusio) in Beziehung, um deren Gültigkeit zu überprüfen. Hier habe ich den Aussagen die Bezeichnungen beigefügt, in Klammern stehen die Kürzel für die Ordnung der Begriffe wie sie für die erste Figur (MP, SM, SP) charakteristisch ist.

Domarus´ Argumentation, die er mittels diagrammatischer Darstellung visualisiert, sei wegen ihrer Relevanz für „schizophrenes Denken“ ausführlich zitiert:
„In his most precise form our logical thinking follows the so-called Mode of Barbara. If, in the figure, area A designates „All men are mortal“ and area B „Sokrates ist a man“, then we conclude correctly that „Socrates ist mortal“.

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Graphik 1

From the figure it follows at once that the last statement yields no new knowledge. To the concept „man“ belongs by implication also the man Socrates, and hence, simply by definition, as it were, Socrates ist mortal.
Experience shows that the conclusion is justified only if the major premise implicitly contains the minor premise. If thinking does not take this into consideration, we arrive at what seems to be contrary to, or other than, normal thinking, or to be paralogical.“ (a.a.O. S. 109f.)

In den Augen des anti-psychologistischen Logikers wäre von Domarus Erklärung „Experience shows that the conclusion is justified only ..“ ein psychologistisches Mißverständnis der Logik. Wie die Menschen tatsächlich denken, ist nur worauf Freges Zitat oben dezent hinweist nur für psychologische Logiker interessant. Die Logik deren Vertreter den Psychologismus in der Logik bekämpfen - hat nichts mit Erfahrung zu tun, die Konklusion folgt beim gültigen Modus notwendig, sozusagen „mechanisch“ aus den Prämissen und garantiert deren Wahrheit selbst dann, wenn kein Mensch je faktisch so dächte. Es wird also ein Maßstab festgelegt für das, was wir „Denken“ (im Sinne von folgerichtig, rational etc.) nennen. Hier kommt die Erfahrung als Legitimation prinzipiell zu spät, weil apriori festgelegt ist, was wir als „Rechtfertigung“ einer Konklusion zulassen würden und was nicht. Der an die Verabsolutierung gebundene klassische Logiker kann also abweichende Taxonomien, andere Ordnungen nur als „verrückt“ klassifizieren, eine „neuartige Logik“, die anderen Regeln folgt, vermag er nicht zu denken.
Aber kommen wir zunächst zur näheren Charakterisierung des Unterschieds zwischen dem Logiker und dem Paralogiker:

„An arbitrarily selected illustration, with the aid of the following figure, will elucidate the nature of paralogical thinking.

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Graphik 2


If A means „Certain Indians are swift“ and B means „Stags are swift“, the area of intersection of A and B symbolizes the common element of swiftness.
It follows for the paralogical thinker that „Certain Indians are stags“, an he will act as his conclusions directs him to do. A glance at the figure reveals a further, most important point. Because everything which lies outside the common intersection of A and B, the law of contradiction is excluded from paralogical thinking and its paragrammatical language [....] The difference between logical and paralogical thinking may be stated: whereas the logician accepts only the Mode of Barbara, or one of its modifications, as basis for valid conclusions, the paralogician concludes identity from the similar nature of adjectives.“ (a.a. O. S. 110f.)
Die formale Struktur dieses als paralogisch genannten Denkens ging als von Domarus-Prinzip in die Geschichte der Erforschung schizophrenen Denkens ein und hat dessen Erforschung sehr angeregt und beeinflußt. Im Kern besagt das Von-Domarus-Prinzip, daß viele Schizophrene die Identität zweier Dinge (Subjekte) aus der Identität mindestens eines gemeinsamen Prädikates (Adjektivs) folgerten. Damit haben wir im „Modus Hirsch“ eine logische Delinquenz vor uns, die gegen grundlegende „Denkgesetze“ der Logik verstößt.
Übersetzen wir der Einfachheit halber das Beispiel von Domarus, das ja partikulär quantifizierte Aussagen („Certain....“ (übersetzt als „gewisse“, logischer Quantor „einige“ ) enthält, in universelle Aussagen (Alle), was an der „paralogischen“ Struktur nichts ändert, dann lautet das Beispiel so:

Modus Hirsch:

Alle Hirsche sind schnell  (MaP)
Indianer sind schnell (SaP)

Indianer sind Hirsche (SaM) Konklusio

Dieser Syllogismus fußt zwar auf Prämissen, die der Normaldiskurs als wahr akzeptieren kann, dennoch ist dieser Schluß auch für den Nicht-Logiker offensichtlich -ungültig, weil er zu einer falschen Konklusion führt : Indianer sind Hirsche. Die Logiker sprechen von einer „fallacia consequentis or non sequitur“, einem Fehlschluß bezüglich der Folge. Das erkennbar falsche Ergebnis (Konklusion) ist hier Kriterium, daß an diesem Syllogismus etwas nicht stimmt.
Um die offensichtliche Exotik dieses Schlusses zu relativieren, sei hier an den oben erwähnten „korrekten“ Schluß der Botanischen Taxonomie erinnert: Erdbeeren sind Nüsse.
Warum dieser Schluß logisch ungültig und seine eventuelle „Wahrheit“ daher zufällig ist, läßt sich in der Begriffslogik, die sich mit der Extension der Begriffe beschäftigt, gut beweisen ich komme im nächsten Abschnitt dazu -. Für den Nicht-Logiker wird die Ungültigkeit der Folgerung klarer, wenn wir die Begriffe durch Abkürzungen - wie sie hinter den Aussagen in Klammern stehen -, ersetzen, um uns von der Semantik bzw. der Konnotationen der Wörter zu befreien und den formalen Blick des Logikers einzunehmen:

Der ungültige Modus Hirsch:

Alle M sind P
S ist P
also: S ist M.7

Die Gültigkeit des Modus Barbara „zeigt sich“ auch an Abkürzungen:

Alle M sind P
S ist M
also: S ist P.

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Freilich sind die Gültigkeit dieser Schlußfolgerung und die Wahrheit der Konklusion der Abstraktion von den Inhalten (diese Dimension wurde u.a. auch Sinn, Intension oder Konnotation genannt) und der Fokussierung auf die Form (der Extension, dem Begriffsumfang oder der Denotation) geschuldet.
An dieser Stelle möchte ich nur die Trivialität hervorheben, daß eine diagnostizierte Abweichung immer von einem davon differenten, unabhängigen Ort vorgenommen werden muß. D. h. je nach logischem Maßstab der Bewertung verliert das Paralogische sein Paralogisches.

Gregory Bateson, der sich viele Jahre mit dem Denken Schizophrener beschäftigt hat, war Ende der vierziger Jahre8 mit von Domarus Ideen bekannt geworden und hat diese rezipiert. In der später berühmt gewordenen double-bind Theorie (Bateson et. al 1956) bezieht sich Bateson auf das VonDomarus Prinzip und deutet es als Hinweis, daß schizophrene Äußerungen reich an Metaphern seien, die der Schizophrene aber nicht „etikettiere“, d. h. als Metaphern gebrauche. Bateson bringt ein Beispiel für einen solchen „verzerrten Syllogismus“, den er in späteren Publikationen häufiger aufgreift und dann Modus Gras nennt.

Menschen sterben
Gras stirbt
Menschen sind Gras

(Bateson 1981, S. 275)

Die Konklusion „Menschen sind Gras“ könnte nun ebenso als Metapher verstanden werden wie die „Indianer sind Hirsche“. 9 Erinnert sei hier an die Namen von Indianer-Häuptlingen wie „Großer Hirsch“, wie sie uns aus der Literatur über den „Wilden Westen“ bekannt sind. Bateson spricht in diesem Zusammenhang von einem „Syllogismus der Metaphorik". Er verwendet verschiedentlich den Peirce´schen Begriff der Abduktion, insbesondere wenn es um die Klärung der pragmatischen (kommunikativen) Wirkung der Metapher geht, und deutet diese Schlußfolgerungsform als grundlegende Erkenntnisstrategie. 10 In einem Brief von 1980 bringt er das Peirce´sche Abduktionkonzept mit dem Syllogismus des „Modus Gras“ in Verbindung.11

Da das Von-Domarus-Prinzip die paralogische Struktur des schizophrenen Denkens am Syllogismus der Form des „Modus Gras“ festmacht, möchte ich im Folgenden zeigen, daß solche Schlussweisen einer in der Logik über zweitausend Jahre vergessenen Schlußform entsprechen, die Peirce Abduktion genannt hat und eine ganz alltäglich Form sind, das Denken zu organisieren. Es taugt daher nicht zum Kriterium für Irrationalität, im Gegenteil, es schließt eine Denkfigur aus, die eine andere Form von Rationalität hat.

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Abduktives Schließen

In Peirce semiotischer Theorie der Kognition spielt Abduktion die entscheidende Rolle, weil nur sie in der Lage ist, unserem Wissen von der Welt etwas hinzuzufügen und damit unsere Erkenntnis zu erweitern.
Ich möchte diese filigrane Theorie hier nur soweit verkürzt entwickeln und darstellen, wie es für meine Zwecke nötig ist. Bevor ich das abduktive Schließen über Venn-Diagramme visualisiere, um sichtbar zu machen, worin das Paralogische und dessen erkenntniserweiternde Kraft liegt, möchte ich Peircens Logik der Abduktion klären.
Er unterscheidet drei Arten des Schlußfolgerns: das deduktive, das induktive und das abduktive.
Peirce führt die neue Schlußart in Abgenzung gegenüber der Deduktion (apriori) als „reasoning a posteriori“12 ein und ersetzt die klassischen drei Termini für Obersatz (Major), Untersatz (Minor) und Konklusion durch die Begriffe: rule (Regel), case (Fall) und result (Ergebnis, Resultat). Das ermöglicht es, die Reihenfolge zu berücksichtigen, in der die Prämissen und Conclusio bekannt sind (bzw. gewußt werden). So können alle drei Aussagen des klassischen Syllogismus prinzipiell an jeder Stelle stehen, unabhängig davon, ob Sie rule/case oder result sind. So kann beispielsweise auch der Untersatz (Minor)) (im klassischen Syllogismus 2. Prämisse) zur erschlossenen Konklusion werden, wie es bei der Abduktion der Fall ist. Desweiteren läßt sich der „Obersatz“, der das Prädikat enthält, natürlich auch als Regel (oder Gesetz) formulieren: Alle Menschen sind sterblich: Wenn X ein Mensch ist, dann ist er sterblich.
Für Peirce ist es das Ziel schlußfolgernden Denkens, durch die Betrachtung dessen, was wir bereits wissen, etwas anderes herauszufinden, was wir nicht wissen ( Peirce, 1991 S. 152) und so unser Wissen auszubauen. Vor diesem Hintergrund haben die hier darstellten Schlußprozeduren eine unterschiedliche Qualität bezüglich der Frage wie sie unser Wissen erweitern.
Die drei Schlußweisen sind in Peircescher Bezeichnungen folgende:

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Graphik 3

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Eine gültige Deduktion gilt in Logik und Wissenschaftstheorie als wahrheitskonservierend, d. h. sind die Prämissen wahr, so auch die Konklusion. Der Preis dieser notwendigen Wahrheit ist aber, daß der Informationsgehalt der Konklusion bereits implizit in den Prämissen enthalten ist. Die „Sterblichkeit des Sokrates“, die uns die Konklusion im Modus Barbara liefert, ist nichts Neues, sie war schon vollständig in den Prämissen enthalten. Daher gilt die Deduktion nicht als synthetisch (gehaltserweiternd), sie führt nicht zu neuen Erkenntnissen, sie ist analytisch wahr und wurde daher in der jüngeren Tradition als bloßes „Erläuterungsurteil“ aufgefaßt. Der Weg des deduktiven Denkens geht vom Allgemeinen (Regel), über die Subsumtion des Falles unter die Regel, zum Besonderen (Ergebnis), was durch die Pfeile hier symbolisiert werden soll.

Peirce Induktionstheorie hat sich über mehrere Jahrzehnte entwickelt , so daß ich sie hier nur kurz auf den Punkt bringen kann. 13 Bei der Induktion sind die Prämissen (Ausgangsbasis) Beobachtungssätze und eine erschlossene Verallgemeinerung (etwa Regelhypothese: Alle M sind P), gilt als gehaltserweiternd, aber nicht wahrheitskonservierend, weil der Schluß nur eine Hypothese ist, die nicht letztgültig bewiesen werden kann.14 Peirce zählte die Induktion lange Zeit zu den synthetischen Schlüssen, bis er schließlich erkennt, daß bei einer gültigen Induktion das zu erschließende Gesetz bzw. die allgemeine Regel (M ist P) bereits als Hypothese vorausgesetzt ist. Der Weg der Induktion geht vom Besonderen umgekehrt wie bei der Deduktion zum Allgemeinen. Daher die Pfeilrichtung von „unten nach oben“.

Die abduktive Schlußweise besteht in zwei Schritten. Sie geht (erstens) von einem zu erklärenden bzw. zu verstehenden „Phänomen“ aus (1), in Peirces Terminologie vom „Ergebnis“, das in der klassischen Terminologie die erschlossene Konklusion darstellt und greift auf eine vorhandene oder neu konstruierte Hypothese (Regel/Gesetz) zurück (2), mit deren Hilfe (zweitens) dann der Fall (3) abduziert wird.
Peirce hat das Zusammenwirken dieser drei Schlußarten ausführlich untersucht und dabei gezeigt, daß in unserem Denken alle drei Schlußarten (Abduktion, Deduktion, Induktion) auf unterschiedliche Weise zusammenwirken. Ich möchte mich aufgrund meines Fokus auf das paralogische Denken hier nur mit der Abduktion eingehender beschäftigen.
Was ist die Funktion des abduktiven Folgerns? Für Peirce besteht sie darin, "in das verworrene Durcheinander gegebener Tatsachen eine nicht gegebene Idee einzuführen, deren einzige Rechtfertigung darin besteht, dieses Durcheinander in Ordnung zu bringen." (Peirce 1991a, S. 333) Die Abduktion ist also als Prinzip verständlich, das es zu rekonstruieren erlaubt, wie konzeptuelle Ordnungen durch Einführung einer Hypothese (in Form einer Mini-Theorie bzw. einer Regel- bzw. Gesetzeshypothese) erzeugt werden.

Ich möchte die Vielfältigkeit dieses methodologischen Schemas hier kurz andeuten, es ermöglicht die traditionelle methodologische Kluft zwischen Natur- und Geisteswissenschaften zu überwinden, weil es läßt sich sowohl als Erklärungs- wie als Verstehensmodell benutzen läßt.
Als umgekehrter Modus Ponens dargestellt wie Peirce das auch getan hat sieht das Abduktionsschema so aus:

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Graphik 4

Zum Erklärungsprinzip wird dieses Schema, wenn man als 1. Prämisse (Ergebnis) ein überraschendes Faktum „einsetzt“ (Wahrnehmung, Beobachtung) für Peirce der Anfang alles wissenschaftlichen Fragens - , das nicht erklärt ist und das dann als Wirkung einer Ursache kausal erklärt wird. Peirce spricht in diesem Zusammenhang auch von einem „reasoning backwards.... from consequent to antecdent“ (CP 6.469, 1.74), von einem Schließen von Wirkungen auf Ursachen (d.i. eine fallacia consequentis).

Bild 3:

René Magritte (1952): Die Erklärung.
Eine paralogische Erklärung der Erklärung? Das Denken in Ähnlichkeiten? Das Karrotenartige als Mittelbegriff eines paraolgischen Schlusses?

In kausaler Beschreibung liest sich diese Erklärung des Phänomens, daß die Straße naß ist, so: Die Straße ist naß, weil es regnet. Der Regen wäre die aus der Wirkung (dem consequens) erschlossene Ursache.15

Als ein Schlußfolgern von Wirkungen auf Ursachen liegt in der Abduktion ein Erklärungsprinzip, das logisch zwar nicht gültig ist, dennoch aber induktiv bestätigt werden kann.16 Setzt sich ein abduktiver Schluß als Paradigmenwechsel (als neue Erklärung eines Phänomens, wie bspw. Kepplers Hypothese von der elliptischen Bahn des Mars) in der scientific community durch, dann hat sich die Logik17 des betreffenden Begriffssystems verändert.

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Graphik 5

Setzen wir anstelle der überraschenden Tatsache in unerklärliches Verhalten einer Person ein, dann läßt sich über ein abduktiven Schluß eine intentionale Erklärung durch Motive (Gründe) konstruieren, die das Verhalten verständlich macht. Alle intentionalen oder funktionalen Erklärungen in der Psychotherapie sind dann als Hypothesenbildungen verständlich, deren modus operandi die Abduktion ist.

  1. Beobachtung/Ergebnis: Person A zeigt Verhalten V im Kontext K, äußert x etc.
  2. Regelhypothese: Ein Verhalten x hat im Kontext K die (Bedeutung, Funktion) (f).
  3. Fall/Konklusion: A´s Verhalten V hat die Bedeutung (f) (ist motiviert durch f).

Betrachten wir den Mechanismus auf zeichentheoretischer Ebene, dann wird ein Zeichen als unverstandenes Resultat eingesetzt, dem über die Konstruktion einer Codierungsregel oder den Rückgriff auf eine bekannte Codierungsregel Bedeutung zugeschrieben wird bzw. werden kann (Hierbei sind auch Kontexte, Rahmen etc. von Bedeutung) (vgl. Rudi Keller 95, U. Eco 1985). 18
Die Abduktion stellt als kognitive Operation den Bezugsrahmen her, der es erlaubt, Zeichen eine Bedeutung zuzuschreiben. Zeichendeutung - und das zeigt das Schema ist immer abduktiv, anders formuliert: Im Prozess des Findens bzw. Erfindens einer Hypothese (Abduktion) besteht das konstruktive Grundprinzip aller Zeicheninterpretation, nämlich dass für einen Hörer der Akt des Zeichenvestehens nur darin bestehen kann, über (s)einen Bezugsrahmen (Codierungsregel), den Zeichen Bedeutung zuzuweisen.19

Wir können jetzt zussammenfassend sagen, daß der Hörer beim Verstehen von Zeichen immer abduktiv schließt. Als Sprecher schließen wir beim Kommunizieren deduktiv (Keller 1995).
Deduktives Schließen lässt sich in Form eines praktischen Syllogismus auch für die Rekonstruktion zweckrationalen Handelns nutzen. Dies hat in die Handlungslogik der finnische Philosoph und Wittgensteins-Schüler G. H. von Wright (1963/1977) eingeführt.
Der Syllogismus lässt sich folgendermaßen darstellen:

Ich möchte Y erreichen Prämisse
Ich gehe davon aus, dass X-Sagen (tun) zu Y führt (als Y verstanden wird) Regel
Also tue (sage) ich X Schlussfolgerung

(Vgl. G.H. von Wright 63/77, H.R. Fischer 1987, R. Keller 1995)
Übertragen wir diese Idee auf unser Schema, dann können wir uns kommunikative Verständigung auf der Grundlage intersubjektiv geteilter Regeln (d.h. derselben Grammatik) wie folgt vorstellen:

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Graphik 6

Hier zeigt sich, daß Verstehen nur zustandekommt, wenn beide Beteiligten auf die gleiche Regelhypothese (hier im Schema oben dargestellt: wenn x, dann y) zurückgreifen, nur dann „spielen“ sie das gleiche Sprachspiel. Dieses Schema zeigt auf vereinfachende Weise wie die Welten auseinander fallen, wenn der Hörer auf der Grundlage einer anderen Grammatik (Kultur, Kontext) die Zeichen des Sprechers „dekodiert“, auch und gerade wenn beide Beteiligten dasselbe Zeichen verwenden. Wenden wir uns nun der Gedanken zu, daß beim „Verrückten“diese Grammatik verändert ist, so daß er anders versteht und anders spricht.

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Insanity as a different grammar

In 1938 Wittgenstein characterizes Freud's idea by saying that the lock to the understanding of insanity has not been destroyed but only changed. The old key is no longer capable of opening it but maybe a new key. Some years later (1946), he demands in his notebooks a paradigmatic change in the view to be taken of mental illness. His question is if insanity might not be better comprehended as a change of personality rather than as an illness, if insanity could not be seen in a more productive way as a different rather than a degenerate order. This approach does indeed provide a new key to the understanding of insanity . But what does insanity as a change of personality mean? The personality of a person is not destroyed but changed. Bateson explained the personality of a human as being the system of interpretation that we apply to the contexts which we are confronted with. Wittgenstein's note on the changed personality refers to the subjective side of the problem whereas the idea of a different order, a different language-game touches upon the intersubjective side of the problem. The intersubjective aspect focuses on the system of certainties which makes communication possible by means of a common rule structure. Insanity is precisely this communication which seems to change which makes it evident that we are in fact dealing with a different grammar. The rules (the grammar) which underlie the verbal description of reality are the epistemic system, which in On Certainty Wittgenstein points out to be a system of belief. The grammar as a petrified form of "knowledge" cannot be falsified by experience, because it is the very system of certain propositions which we cannot give up without losing the ground beneath our feet. Grammar is also described by Wittgenstein as being a picture of the world; he applies the analogy of the bed of a river in which our language (the water) moves. If we comprehend insanity as a changed grammar, as a changed picture of the world to which a coordinated form of life corresponds, then we can recognize the internal logic of lunacy. Also, the language of lunacy and lunatic reality are related to each other recursively, so that the reality of the lunatic is as full of verifications for him as ours is for us. Here, Wittgenstein is fully in line with Nietzsche`s perspectivism, because grammar is one form of perspective on reality; in itself it is neither true nor false, it is unfounded and infoundable. Accordingly, the thinking of the lunatic is seems not wrong but different. He is deranged (in German the word for "mad" is "verrückt", which means "in the wrong place") with respect to his own grammatically standardised perspective, so he categorises reality by using different rules. If we look at grammar more closely, we find that it establishes some prior assumptions about the world. Because grammar is arbitrary with respect to experience, it forms an epistemic system which displays the character of a belief system. This belief system is conveyed to us by means of language acquisition through the internalisation of grammatical rules.

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Paralogisches Denken als abduktives Regelfolgen

„ Paralogismen sind überhaupt fehlerhafte Schlüsse,
deren Fehler näher darin besteht, daß man in den beiden
Prämissen ein und dasselbe Wort in verschiedenem Sinn anwendet.“
G.W. Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften I, S. 182


Von Domarus war bei seiner Analyse des paralogischen Denkens davon ausgegangen, daß das Denken im Modus Barbara, also im deduktiven Syllogismus, das normale sei, wobei „normal“ soviel wie rational und gesund heißt. Da synthetische Schlüsse nur dann gehaltserweiternd sind, wenn sie über die Information der Prämissen hinausgehen, indem in der Konklusion etwas vom Subjekt prädiziert wird, was nicht in den Prämissen enthalten ist, darf und kann unser Denken nicht nur deduktiv sein, wenn wir unser jemals Wissen auch nur einen Jota erweitern wollen.
Wenn wir die Peircsche Theorie ernst nehmen, dann läßt sich der Hiatus zwischen Logik und Leben nur über abduktive Schlußweisen überbrücken, denn deduktive und induktive Denkprozeduren erweisen sich nicht als gehalterserweiternd und können insofern auch nicht zu neuen Erkenntnissen führen. Die zentrale Einsicht der Abduktionstheorie ist, daß es keine Induktion gibt, ohne eine vorausgehende abduktiv erschlossene bzw. konstruierte Hypothese.
So gesehen kommen alle Denkänderungen, alles Neue, alle Erweiterungen unseres Wissens durch Verstösse gegen etablierte „Denkgesetze“, Taxonomien oder Logiken zustande.
Das Von-Domarus-Prinzip behauptet, daß die Struktur des paralogischen Schließens darin bestünde, daß von ähnlichen bzw. gleiche Prädikaten (Adjektiven) auf gleiche bzw. identische Subjekte geschlossen wird.
Dieses paralogische Denken möchte ich nun als abduktives Schließen ausweisen, um auszuloten, welche Rationalität möglicherweise im Irrationalen steckt und welche Anschlußfähigkeiten (Verstehbarkeit) an das verrückte Denken es geben kann. Dabei möchte ich zeigen, wie über abduktive Folgerungen die extensionale und die intensionale Bedeutung der Begriffe verschoben wird und der paralogische Schluß gerade darin erkenntniserweiternd ist.

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Graphik 7

Der „Modus Hirsch“ im Vergleich zum Modus Barbara zeigt sich hier als abduktiver Schluß.
Die abduktive Schlußform schließt über „Ähnlichkeit“ der Prädikate synthetisch (d. h. gehaltserweiternd) auf die Identität der Subjekte.
Ich möchte diese „Gehaltserweiterung“ im folgenden genauer untersuchen, um zu zeigen, wie intensionale und extensionale Bedeutung der Begriffe sich verändern.

Doch zuvor möchte ich den diagnostischen Schluß der Psychiaters, wie jeden diagnostischen Schluß, als abduktiv ausweisen:

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Graphik 8

Natürlich wird jeder vernünftige Psychiater nicht nur aufgrund eines einzigen Kriteriums („Stimmen hören“), das logisch betrachtet eine Intension (Konnotation) des Begriffs „schizophren“ ist, auf Schizophrenie schließen. Ich möchte mit diesem Beispiel nur exemplifizieren, wie durch bestimmte Aussagen „Stimmen hören“, ein psychiatrisch geschulter Interpret „eingeladen“ wird, abduktiv eine Hypothese („Müller ist schizophren“) zu bilden, unter der dann die Wahrnehmung so interpretiert wird, daß sie zur Vermutung paßt. So ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß die Hypothese zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird, weil nicht passende d. h. induktiv die Hypothese nicht bestätigende Wahrnehmungen nur schwerlichst wahrgenommen werden. 20
Hier zeigt sich, wie Wirklichkeit über ein diagnostisches Begriffssystem konstruiert wird bzw. wie wir abduktiv die Welt in der wir leben erzeugen.

Oben war die Rede von metaphorischem Denken. Ohne auf die Theorie der Metapher näher einzusteigen (vgl. dazu Eco 1985) möchte hier noch kurz im Schema zeigen, daß sich die Funktion der Metapher ebenfalls als abduktiver Schluß rekonstruieren läßt. Mann könnte diese abduktive Schlußprozedur nutzen, um Metaphern zu generieren. Ich glaube das war es, was Bateson sich unter einem metaphorischen Syllogismus vorgestellt hat. Darin deutet sich schon die Pointe an, auf die ich im Kontext „verrückten“ Denkens hinaus möchte, nämlich eine veränderte Semantik der Begriffe.

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Graphik 9

Zeichentheoretisch formuliert fungiert eine Abduktion als Einordnung eines Zeichens in ein Codiersystem (Mini-Theorien, Hypothesen), dessen Logik den Rahmen bildet, in dem die zu Zeichen gewordenen Phänomene sinnhaft werden.
Von hier aus führt die Idee der Abduktion zum primärprozeßhaften Denken bei Freud und der Psychoanalyse oder zur strukturalistischen Theorie des Unbewußten von Lacan. Es gibt also viele interessante Linien aus der Logik in die Psychologie und zurück, die wir hier nicht aufgreifen können. Um das zu illustrieren, möchte ich hier auf eines der genialen Bilder Magrittes verweisen, zu dem der Titel als integraler Bestandteil mitzulesen ist.

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Bild 4:

„Der Abend bricht herein“
Le soir qui tombe
René Magritte 1964

Man kann hier gleichsam die Verfahrensweise des poetischen Geistes sehen, wie Magritte mittels seiner Bild- und seiner Wortsprache das metaphorische Reservoire des Betrachters öffnet. Der „Abend bricht herein“ ist rhetorisch betrachtet eine Syllepse, eines besondere Form der Metapher.
Ich habe in folgendem Schema verschiedene Bildebenen verbalisiert und in das Schlußschema der Abduktion gebracht, um den paralogischen Kern dieses, unseres Denkens, das uns Magritte im Spiegel seiner Bilder zeigt. Beim 1. abduktiven Schritt (2), dem Rekurs auf den Obersatz/Regel, muß und wird der Beobachter natürlich selektieren und je nach Selektion geht die weitere Gedankenführung , mit der Abduktion des Falles (3) weiter. Ich habe zwei Alternativen angegeben (Fenster und Sonne), es gibt sicher unendlich viele.

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Graphik 10

Nun möchte ich zeigen, warum ein abduktiver Schluß logisch nicht gültig ist, um sichtbar zu machen, daß paralogisches Denken in der Form der Abduktion in einer Veränderung der Begriffsbedeutungen und damit des ganzen Begriffssystems bestehen kann, sofern der Schluß diskursiv anschlußfähig ist und regelbildend wirkt (wie das Beispiel der Gebrüder Grimm im Märchen von der klugen Bauerstochter (nächstes Kapitel).
Um die Argumentation für den logisch nicht vorbelasteten Leser anschaulich zu machen, möchte ich auf eine graphische Methode zurückgreifen, die eine lange Tradition hat.
Es ist ein von Venn erfundenes graphisches Verfahren, das viele Leser vielleicht in der Mengenlehre kennengelernt haben, das überschneidende Kreise nutzt, um die Begriffe des kategorischen Syllogismus darzustellen. Mit Hilfe eines Venn-Diagramms läßt sich die Gültigkeit der Syllogismen anschaulich überprüfen.
Die Ausdrücke des Syllogismus (S, P und M) lassen sich als Mengen (Kreise) darstellen, die den Begriffsumfang definieren. Das Diagramm sagt dann etwas über die Beziehung der Mengen (Begriffe), über Inklusion, Exklusion und Überschneidung der Begriffsumfänge aus. Eine nicht-leere Menge, das wäre eine, bei der es mindestens einen Gegenstand gibt, der unter den Begriff fällt, wird mit einem X gekennzeichnet. Um darzustellen, daß eine Aussage keine Elemente besitzt nichts fällt unter den Begriff), wird das Gebiet, das diese Menge (Begriff) repräsentiert, schraffiert.21

Die Prämissen des Syllogismus werden diagrammatisch dargestellt und dann läßt sich prüfen, ob der Informationsgehalt der Konklusion in den Diagrammen zum Ausdruck gebracht wird. Wir überprüfen das Diagramm daraufhin, ob ihm etwa fehlt, um die Konklusion als wahr (d.i. eindeutig) auszuweisen. Müssen wir dem Diagramm nichts mehr hinzufügen, ist der Schluß gültig, und wir haben einen gültigen Syllogismus ( Argumentation). Müßten wir beispielsweise einen Bereich schraffieren, damit der Schluß im Diagramm repräsentiert wird, wäre er nicht gültig.

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Betrachten wir zunächst den bekanntesten deduktive Schluß, den Modus Barbara:

1) Alle Hirsche sind schnell (MaP, Regel, Obersatz)
2) Indianer sind Hirsche (SaM, Fall, Untersatz)

3) Alle Indianer sind schnell   (SaP, Ergebnis/Konklusion)


Graphik 11

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Die andere Darstellung des Modus Barbara macht die Verhältnisse von Inklusion noch deutlicher:


Graphik 12

Im Syllogismus ist der Mittelbegriff der Begriff, der in beiden Prämissen zweimal auftaucht. Hier ist es das Subjekt des Obersatzes (Hirsche). Er vermittelt (daher terminus medius) Subjekt und Prädikat der Konklusion, indem er in den Prämissen jeweils mit Subjekt und mit Prädikat ins Verhältnis gesetzt wird. Schnelligkeit (Prädikat des Obersatzes) ist der Oberbegriff, Indianer (Subjekt des Untersatzes) der Unterbegriff. Der Oberbegriff, Schnelligkeit, umfaßt (beim Modus Barbara) - wie hier gezeigt, alle Elemente des Mittelbegriffs (Hirsch) und dieser alle Elemente des Unterbegriffs (Indianer). Die Menge der Indianer istTeilmenge der Hirsche und als solche Teilmenge dere Schnelligkeit. Genau das ist das Resultat des deduktiven Schlusses aus den Prämissen: Indianer sind schnell.

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Kommen wir nun zum abduktiven Schluß, um anhand des Venn-Diagramms zu zeigen, warum dieser nicht gültig ist. Der Modus Hirsch ist als abduktiver Schluß so darzustellen:

Abduktion

1) Alle Hirsche sind schnell (MaP, Regel)
2) Alle Indianer sind schnell (SaP, Ergebnis)

3) Indianer sind Hirsche (SaM, Fall)


Graphik 13

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Ich habe in der Grafik die Begriffsnamen (S, P und M) noch belassen, obwohl sich die Begriffe in ihrer Funktion verschoben haben, denn der Begriff ist Mittelbegriff, der zweimal in den Prämissen auftritt, hier ist das der Begriff „Schnelligkeit“.
Rein logisch argumentiert ist diese Abduktion als Schluß nicht gültig, weil sie gegen das Prinzip verstößt, daß der Mittelbegriff (terminus medius) mindestens in einer Prämisse im ganzen Umfang genommen wird (distribuiert sein muß)22 bzw. daß die Aussage etwas über jedes einzelne Element der Menge aussagt. Über den Begriff Schnelligkeit wird nichts ausgesagt, was für alle Elemente (Individuen) die unter den Begriff Schnelligkeit fallen, gilt. Daher ist der Mittelbegriff hier nicht distribuiert. Der Mittelbegriff soll im gültigen Syllogismus den Vergleich zweier Begriffe ermöglichen, die nicht direkt vergleichbar sind. Insofern hat er eine ähnliche Funktion wie das Festlegen eines Maßstabes für das Vergleichen zweier Größen. Über diesen Vergleich hat der Mittelbegriff die Funktion Obersatz und Untersatz und damit auch Subjekt und Prädikat der Konklusion zu vermitteln.
Da der Mittelbegriff hier nicht mindestens einmal distribuiert ist, ist es möglich, daß das Subjekt der Aussagen mit einem anderen Teil des Mittelbegriffs M (Schnelligkeit) in Verbindung steht als das Prädikat (P). Genau dieses läßt sich an dieser anderen diagrammatischen Darstellung des Modus Hirsch verdeutlichen.

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Abduktion

 
1) Alle Hirsche (S1) sind schnell (MaP)  
2) Alle Indianer (S2) sind schnell (SaP)  

3) Also: Alle Indianer (S2) sind Hirsche (S1) (SaM)


Graphik 14

Die diagrammatische Darstellung der Abduktion zeigt, daß die Menge (Begriff) der Hirsche keinen gemeinsamen Bereich mit der Menge der Indianer (Begriff) hat, daher ist der Schluß nicht gültig.
In der Erforschung der kognitiven Störungen bei schizophrenen Patienten ist von „Overinclusion“ die Rede, die darin besteht, daß mehr „Dinge“ unter einen Begriff subsumiert werden, als der etablierte Sprachgebrauch mit seinen Begriffsgrenzen zuläßt. Das Diagramm visualisiert den Aspekt der „Overinclusion“, der bei der Abduktion prinzipiell vorhanden ist: die Menge der schnellen Hirsche wird auf die der schnellen Indianer überdehnt, ohne Vermittlung von M (Mittelbegriff: Schnelligkeit vermittelt nicht), anders gesagt: die Schnelligkeit der Hirsche ist eine andere als die der Indianer.
Wenn wir nun die traditionelle logische Unterscheidung von extensionaler und intensionaler Bedeutung der Begriffe einführen, läßt sich klar machen, daß „overinclusion“ logisch in einer Bedeutungsverschiebung bzw. Bedeutungsveränderung liegt. Als extensionale Bedeutung (der Begriffsumfang, auch Denotation genannt) eines Begriffs gilt das Objekt bzw. die Klasse der Objekte auf die der Begriff richtig angewandt wird. Die intensionale Bedeutung (Begriffsinhalt, auch Konnotation oder Sinn genannt) eines Terms sind die Eigenschaften, die einem Gegenstand zugeschrieben werden, damit er unter einen Begriff subsumiert werden kann. Anders gesagt: die Intension eines Begriffs fungiert als Kriterium, um zu entscheiden, welches Objekt unter seine Extension (Begriffsumfang) fällt.
So ist die Extension des Wortes „Philosoph“ die Menge der „Gegenstände“, die unter ihn fallen, d. h. auf die das Wort richtig angewandt wird, also wäre die Extension die Menge der Philosophen: Aristoteles, Kant, Wittgenstein, Peirce etc.
Die Intension des Begriffs Philosoph wären Prädikate, die einen Philosophen charakterisieren, wie „Mensch sein“, zu „philosophieren“ etc..
Das heißt, je unbestimmter ein Begriff (je weiniger intensional sein Gehalt), um so mehr Gegenstände fallen in seine Extension, um so größer seine Extension (bspw. „Ding“).

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Bei der Klärung wie sich bei abduktiven Schlüssen die Bedeutung und damit die Information verändert, die in der Schlußfolgerung liegt, möchte ich auf Peirce Analysen zurückgreifen. Er hat die Idee, daß bei Schlußfolgerungen, die unsere Erkenntnis erweitern, sich der Informationsgehalt der Begriffe verändern muß, in seinen informationstheoretischen Überlegungen zur Induktion und Hypothesis (Abduktion) reflektiert. Da eine ausführlichere Darstellung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, möchte ich hier nur auf die Ergebnisse seiner Analysen zurückgreifen.23
Der Unterschied zwischen induktiven und hypothetischen (abduktiven) Schlüssen besteht unter informationstheoretischen Gesichtspunkten darin, daß bei induktiven Schlüssen der extensionale Bereich des Prädikates der Konklusion wächst, ohne daß die Intension geringer wird.24 Bei der mich hier interessierenden Abduktion bzw. Hypothesis25 erhöht sich nach Peirce die Intension des Subjektbegriffs der Konklusion , ohne daß die Extension, sein Begriffsumfang kleiner wird.
Das widerspricht den logischen Prinzipien, die davon ausgehen, daß die Erhöhung der Intension eines Begriffs die Reduzierung seiner Extension impliziert et vice versa. Plausibel wird dies, wenn man sich vorstellt, daß die Menge der Gegenstände, die unter einen Begriff fallen, um so kleiner wird, je spezifischer dieser Begriff intensional bestimmt ist. Umgekehrt, je unspezifischer ein Begriff definiert ist, um so größer ist sein Begriffsumfang (Extension). So ist der Begriff „Ding“ intensional so dürftig zu definieren, daß zwangsläufig ganz viele „Gegenstände“ unter diesen Begriff fallen, d. h. zu seiner Extension gehören.
Betrachten wir unter diesem Aspekt den abduktiven Schluß beim Modus Hirsch.

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1) Alle Hirsche sind schnell   (MaP, Regel)
2) Indianer sind schnell (SaP, Ergebnis)

3) Indianer sind Hirsche (SaM, Fall)

Das in beiden Prämissen identische Prädikat (P) wird in der Konklusion durch den Terminus M ersetzt, der zusätzlich zu P durch weitere Eigenschaften (Merkmale) charakterisiert ist. Das heißt S ist nicht nur P, sondern zusätzlich dazu auch noch M. In unserem Schluß ist das Subjekt Indianer (S) sind nicht nur schnell (P) wie in Prämisse 2 behauptet, sondern auch noch Hirsche (hirschhaft)(M). Dabei repräsentiert M („Hirsche“) laut Prämissen extensional den gleichen Objektbereich wie P (Schnelligkeit). Da bei der Abduktion nun aber P die Funktion des Mittelbegriffs übernimmt , „Schnelligkeit“ ist das Maß (Mittel) mit dem verglichen wird, und der Begriff „Hirsche“ (M im gültigen Syllogismus) in der Konklusion zum Prädikat wird, wird dem Subjekt die Hirschhaftigkeit als zusätzliches Prädikat zugeschrieben.
Wenn wir diesen Schluß abduktiv interpretieren, wird der Begriff „Indianer“ in der Konklusion intensional angereichert , oder anders formuliert: dadurch wird der Sinn des Terms Indianer (seine intensionale Bedeutung) verändert. Das Ganze im Rahmen der etablierten Logik zu verstehen, hieße, das paralogische Schließen als Denkfehler aufzufassen, als „verrückte Logik“ wie die orthodoxe Psychiatrie mit Frege und den Logikern sagen würde.
Wie es zum Messen gehört, daß alle das gleich Maß haben26, gehört es zu unserem Verständnis von Rationalität, daß alle auf die gleiche Weise folgern, d. h. daß alle den gleichen Regeln folgen.
Die Logik ist daher nicht in der Weise beliebig, daß sie nach meiner persönlichen Willkür zu verändern wäre. Gerade das zeigt ja das paralogische Denken eines Schizophrenen, er wird nicht mehr verstanden. Hier gibt es eine Härte des logischen bzw. grammatischen Muß. Sofern ich mich verständlich machen will, muß ich mich an die grammatischen bzw. logischen Regeln halten. Folge ich anderen grammatischen Regeln als den etablierten, so wird man das, was ich sage, nicht mehr verstehen und die Frage entsteht, ob ich überhaupt Regeln folge: “Die Schritte, welche man nicht in Frage zieht, sind logische Schlüsse, ...nicht weil sie wahr sind, sondern, dies ist es, was wir denken, schließen, nennen. (Wittgenstein, BGM S. 96)
Im Rekurs auf Wittgensteins späte Philosophie der Grammatik (Logik), die ich andernorts ausführlich entwickelt und diskutiert habe (Fischer 1987), möchte ich die Beziehung zwischen Rationalität und Regelfolgen wie folgt zusammenfassen:
Sprache ist nur dort, wo Regeln am Werke sind, analoges gilt auch für das, was wir Denken nennen. Wittgensteins Analysen weisen lokale Regelsysteme wie Sprachspiele als conditio sine qua non von Rationalität aus. Das, was als vernünftig bzw. rational beschrieben wird, erweist sich als eine Funktion von Regeln bzw. regelhaft organisierten Prozessen und nicht umgekehrt (Hayek 1980, Fischer 99a/b). Regelfolgen ist eine Praxis, die sich nur vorwärts, in einem feedforward-Loop, d. h. pragmatisch begründen läßt, rückwärts landet die Begründung im Zirkel. Rationalität ist also nicht das Fundament von Regelsystemen, wir folgen den Regeln blind - wie Wittgenstein sagt (PU § 219) -, wenn wir sprechen und denken gelernt haben. Rationalität wird erst auf dem Fundament von Regelfolgen denkbar. So wird es möglich, sich von einem dogmatisch an die Logik geketteten Rationalitätskonzept zu lösen und Rationalität im Irrationalen zu entdecken.

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Folgert jemand auf eine von der Logik abweichende Weise, wie der abduktive Modus Gras, so begeht er aus dem Blickwinkel der Logik einen „Denkfehler“. Wenn die Hypothese nun zutrifft, daß Regelfolgen die Grundlage aller Rationalität darstellt, dann stellt sich die Frage, ob derjenige, der paralogisch schließt, anderen Regeln als den etablierten folgt, falls ja, dann besteht prinzipiell die Möglichkeit, dieses Denken zu verstehen. Anders formuliert und das ist der für mich hier entscheidende Punkt : es gibt einen Übergang von einem Denkfehler, zu einer anderen Art des Denkens. Gerade dieser Übergang kann nicht mit und in der etablierten Logik gedacht werden, weil er in einem prinzipiellen Verstoß gegen diese besteht und solche Verstöße exkommuniziert, d. h. von der kulturell verankerten Denkordnung ins Irrationale ausgegrenzt werden. So gesehen verstößt der Modus Hirsch als Muster für „paralogisches Denken“ zwar - wie alle abduktiven Schlußfolgerungen! - gegen logische Gesetze, aber er ließe sich als kreative Veränderung des semantischen Inhalts der Begriffe „Indianer“ bzw. des Begriffssystems (Sprachspiels) interpretieren wie er im übrigen bei allen „Paradigmenwechseln“ der Fall ist -, so daß er aus dem Ghetto des prinzipiell Unverständlichen und Sinnlosen herausgeholt werden könnte.27
Da ein anderes Denken bzw. Sprechen notwendig mit anderem Verhalten, mit anderen Handlungen verknüpft ist, entscheidet sich die Rationalität eines Denkens nicht logikintern, sondern daran, wie es mit Handlungen verknüpft ist und ob es dem Individuum die Handlungsorientierung in einem Interaktionskontext ermöglicht oder nicht. Anders formuliert: Für die Rationalität eines Denkens und Handelns gibt es keinen absoluten Maßstab, sondern nur einen relationalen. Mit abduktiv erschlossenen Hypothesen werden neue, andere Maßstäbe konstruiert. Maßstäbe sind - wie die Gesetze der Logik - selbst nicht wahr oder falsch, sondern allenfalls mehr oder minder nützlich, um bestimmte Interessen oder Zwecke zu verwirklichen. Insofern entscheiden letztlich pragmatische und keine rein logischen - Kriterien, ob paralogisches Denken viables Handeln ermöglicht, das sich induktiv bewähren kann. D. h. die reine Logik taugt nicht dazu, die Rationalität oder Irrationalität einer Handlung zu beurteilen, weil paralogische Schlüsse bzw. Hypothesen rational sein können. Allerdings ist dies eine andere Rationalität als die, die sie an die Aristotelische Logik kettet.
Peirce spricht denn auch der paralogischen Abduktion genau dann Rationalität zu, wenn sie zur Handlungssteuerung dient:
“Abduktion ist eine Methode, eine allgemeine Voraussage zu bilden, ohne irgendeine positive Sicherheit dafür, daß sie entweder in einem Spezialfall oder insgesamt erfolgreich sein wird; sie ist deshalb berechtigt, weil auf ihr die einzig mögliche Hoffnung beruht, unser zukünftiges Verhalten rational zu steuern, und weil die Induktion vergangener Erfahrungen unsere Hoffnung, daß Abduktion auch in Zukunft erfolgreich sein wird, deutlich zu stützen geeignet ist. (CP 2.270, zit. nach Schönrich 1990, S. 397, Hervorhebung von mir)
Sofern solche abduktiven Schlüsse Neues erschließen und/oder die Semantik des Begriffsnetzwerkes verändern, erweisen sich als ein Erfinden, ein Konstruieren von Bezügen, von Übergängen, von Zusammenhängen, die vorher nicht bestanden haben (müssen) bzw. nicht gesehen wurden und werden konnten.
Bewähren sich diese abduktiv konstruierten Hypothesen induktiv, dann führt dies zu einer Veränderung bzw. Anpassung der erfahrungsvorgängigen Regeln (Logik) des Begriffssystems wie es bei allen „wissenschaftlichen Revolutionen“ war. Solche kreativen Abduktionen sind als Anpassung der Theorie, der Logik, der Denkmaßstäbe bzw. unseres gesamten Begriffssystems (Weltbildes) zu verstehen, sie verändern die Landkarte unseres Denkens mehr oder minder fundamental.

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Bezüglich der Frage nach der Rationalität des Denkens von Individuen ist „paralogisches Denken“ zwar von der üblichen Logik ver-rückt, 28 sofern es nicht chaotisch ist, sondern anderen Regeln folgt, kann es prinzipiell in den Rahmen des Verstehbaren zurückgeholt werden. Die verwendeten Begriffe sind dann nicht sinnlos, sondern sie werden von den Personen anders gebraucht und haben daher eine veränderte, neue Bedeutung. Hier besteht Anschlußfähigkeit für eine hermeneutisch ansetzende Psychotherapie (Fischer 1990a, 1999a).29
Die Rationalität solchen paralogischen Denkens kann sich darin zeigen, daß es einen Gebrauchswert, eine Funktion für das betreffende Individuum besitzt, indem es ihm Handlungsorientierung in seiner diskursiven und nicht-diskursiven Umwelt ermöglicht. Das ist im Grunde auch die Idee der Schizophreniethorie Batesons und der Palo-Alto-Gruppe. Das verrückte Denken und Handeln ist demnach ein erlernter Problemlösungsversuch im Kontext gestörter familiärer Interaktion und insofern relativ zu diesem Kontext rational. Die Rationalität und Funktion eines solchen Denkens ist daher nicht an der einzelnen Person zu erkennen, sondern nur aus dem Interaktionskontext (im Normalfall die Familie) heraus, in dem es seine Funktion gewonnen hat.
Somit kann sich in diesen Abweichungen von der logischen Norm des Denkens eine Anpassung an die diskursive und/oder nicht-diskursive Umwelt offenbaren und mithin eine paralogische Rationalität, die die Relativität der Logik bzw. deren Pluralität belegt.
Es erweist sich also bei näherem Hinsehen als zutiefst irrational, sich auf die Rationalität der Logik im Ganzen zu verlassen.

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Literatur

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Arieti, S. (1955): Interpretation of Schizophrenia. London, Crosby, Lockwood, Staples.

Bateson, Gregory (1980): Syllogisms in grass. Letter, in: The London Review of Books. 2. Jg. Nr. 1, 24. Jan. 1980. S. 2.

Bateson, Gregory (1981): Ökologie des Geistes, Frankfurt, Suhrkamp.

Bateson, Gregory (1982): Geist und Natur. Eine notwendige Einheit, Frankfurt/Main, Suhrkamp.

Bateson, Gregory (1991): A sacred unity. Further Steps to an Ecology of Mind. Ed. By Rodney E. Donaldson. New York 1991.

Bateson, Gregory und Bateson, Mary Catherine: Wo Engel zögern. Unterwegs zu einer Epistemologie des Heiligen. Frankfurt/Main 1993, Suhrkamp.

Bateson, Gregory, Jackson, Don D., Haley, Jay und Weakland, John H. (1956): Toward a theory of schizophrenia, Behavioral Science 1: 251-64, deutsch in: Bateson 1981, 270-301.

Bühler, Karl Ernst und Hans Rudi Fischer (1984): Regelbegriff und Rationalität. In: Ästhetik, Akten des Internationalen Wittgenstein-Symposiums 1983. Hrsg. von R. Haller, Wien, S. 246-249.

Domarus von, Eilhardt.: The Specific Laws of Logic in Schizophrenia, in: Language and Thought in Schizophrenia, ed by J.S. Kasanin, S. 104-114, New York 1964, W.W.Norton (1939)

Eco, Umberto (1985), Semiotik und Philosophie der Sprache, München, Fink.

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Fischer, Hans Rudi (1987): Sprache und Lebensform. Wittgenstein über Freud und die Geisteskrankheit. Monographien zur philosophischen Forschung . Bd. 242, 367 S. Athenäum. Frankfurt 1987. 2. verbesserte Auflage 1991, Heidelberg, Carl-Auer.

Fischer, Hans Rudi (1989): Rezension zu Hans Radermacher, „Kant, Swedenborg, Borges“, in: Conceptus, Zeitschrift für Philosophie, Bd. 60/1989 S. 111-113.

Fischer, Hans Rudi (1989b): Wittgenstein und der Wahnsinn. Zu einer anderen Philosophie des Anderen der Vernunft. In: SPUREN. Zeitschrift für Kunst und Gesellschaft. Hamburg. Heft 29, Aug. 1989. S. 35-39

Fischer, Hans Rudi (1990a): Sprachspiele und Geschichten. Zur Rolle der Sprache in der Psychotherapie. In: Familiendynamik, 3, Stuttgart, Klett-Cotta, S.190-211.

Fischer, Hans Rudi (1990b): Madness and Method. In: Ludwig Wittgenstein. A Reevaluation. Proceedings of the Intern. Wittgenstein-Symposium 1989. Ed. by Rudolf Haller. Hölder-Pichler-Tempsky, Wien 1990.

Fischer, Hans Rudi (1994): Is there any logic in madness? Linguistic reflections on an interpersonal theory of mental illness. In: Wittgenstein Studien 1/94, 10-1-94, Springer

Fischer, Hans Rudi (1998): Vom Sehen zum Erkennen. Erkennen als konstruieren von Wirklichkeit. In: Bewußtsein, Wahrnehmung, Nervensystem. Hrsg. von Gion Condrau, Gerhard Langer, W. J. Meinhold, Walter Verlag, Zürich 1998, S. 215-231

Fischer, Hans Rudi (1999a): Rationalität als offene Ordnung. Zur Logik und Evolution neuer Sprachspiele: In: Hans J. Schneider, Matthias Kroß, Mit Sprache spielen. Die Ordnungen und das Offene nach Wittgenstein. Berlin, Akademie Verlag, S. 149-168

Fischer, Hans Rudi (1999b): Rationalität, Logik und Wirklichkeit. Zu einem konstruktivistischen Verständnis der Logik. In: Wissen und Erfahrung. Festschrift für Ernst von Glasersfeld. Hrsg. von Gebhard Rusch, Heidelberg, Carl-Auer-Systeme

von Hayek, Friedrich A (1980): Recht, Gesetzgebung und Freiheit, 3 Bände, Band 1, Regeln und Ordnung: e. neueste Darstellung des liberalen Prinzipien der Gerechtigkeit und der politischen Ökonomie, München , Verlag Moderne Industrie

Heidegger, Martin (1972): Frühe Schriften. Frankfurt/Main, Klostermann.
Heims, Steve Joshua (1993): Constructing a social science for postwar America: The Cybernetics Group 1946-1953. Cambridge, Massachussets.MIT Press.

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Richter, Ansgar (1995): Der Begriff der Abduktion bei Chrles Sanders Peirce. Frankfurt/Main, Berlin, New York, Paris, Wien. Peter Lang.

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Schönrich, Gerhard (1990), Zeichenhandeln. Untersuchungen zum Begriff einer semiotischen Vernunft im Ausgang von Ch.S. Peirce. Frankfurt/Main, Suhrkamp.

Sebeok, Thomas A. und Umiker-Sebeok, Jean (1982): „Du kennst meine Methode“. Charles S. Peirce und Sherlock Holmes. Frankfurt/Main, Suhrkamp.

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Fußnoten

1 "Jede Verstandesoperation besteht ja in einem Schluß ..." (Peirce 1991a, S. 88, 91). Daß alle kognitiven Prozesse inferentiellen Charakter haben, war in der Psychologie der Jahrhundertwende Standard. So kritisiert William James in seinem Standardwerk (The Principles of Psychology (1890 erstmals erschienen) die Vorstellung bei Schopenhauer, Wundt, Helmholtz u. a., daß selbst die Wahrnehmung ein unbewußtes Schlußfolgern sei (Bd. 2, S. 111 ff.).

2 Michel Foucault (1983): Dies ist keine Pfeife. Frankfurt/Main, Fischer

3 Mit dem Rückgriff auf fiktionale Literatur (Borges) bei der Archeologie des Wissens spielt Foucault auf die Fiktion als narrative Form des Wissens an, die sich im griechischen Mythos widerspiegelt (mythéomai oder mythologéo heißen soviel wie ich spreche, ich erzähle oder erfinde eine Geschichte, das lat. fictio (fingo) heißt erdichten, erfinden) und ist in der abendländischen Geistesgeschichte schon früh als "unwahre Geschichte" dem Logos als einzig rationaler Form gegenübergestellt wurde. Über die Abgrenzung des mythischen Denkens, des Mythos vom Logos wird das abendländische Verständnis von Rationalität konstruiert. Daß das Abgrenzen immer ein Ausgrenzen war, wird bereits in Platons "Staat" augenfällig, in dem die Dichter als Mythenerzähler vor die Tore der Stadt verbannt werden, weil das dichterische Sprechen ein Anderssagen ist, ein Sprechen in Metaphern (als der zentralen Trope), als das des rationalen Philosophen, der sich der Wahrheit verpflichtet weiß. Im Namen der Rationalität wird der Logos vom Mythos, von der Ambivalenz, dem Nicht-Identischen, dem Schein etc. gereinigt. Geschah nicht beinahe zweitausend Jahre später realiter die gleiche Exkommunikation mit den "Verrückten", die als Delinquente des Logos die leerstehenden Leprosorien vor den Toren der Städte in Mitteleuropa beziehen?

4 Eilhard von Domarus war in den Dreißiger Jahren Kollege von Warren McCulloch, Neurologe und Psychiater, einer der führenden Mitglieder der Kybernetiker Gruppe, die die von der Macy-Foundation geförderten Konferenzen von 1946-1953 durchführte. Die fünfte Konferenz (1948) (vgl. Heims 1993, S. 79) befaßte sich schwerpunktmäßig mit Sprache. und hierzu wurde von Domarus von McCulloch eingeladen. Zu dieser Konferenz waren auch Roman Jakobson und Charles Morris eingeladen, der in seiner frühen Zeichentheorie eine Grundidee der double-bind-Theorie geliefert hat (vgl. Fischer 1986). Bateson, der von Anfang an zu dieser interdisziplinären Gruppe um John von Neumann, Norbert Wiener , Heinz von Foerster u.a. gehört hat, wurde auf dieser Konferenz offenbar mit von Domarus und dessen Ideen vom paralogischen Denken schizophrener Patienten bekannt. Einen instruktiven und interessanten Überblick über die Entwicklung dieser für das kybernetische Denkens in unserem Jahrhundert entscheidenen Wissenschaftlergruppe gibt Heims (1993).

5 Von Domarus macht hier auf einen wichtigen Punkt der kommunikativen Anschlußfähigkeit an die „schizophrene Logik aufmerksam: Wäre keine Gemeinsamkeit (Ähnlichkeit) zwischen den verschiedenen Begriffen (oder Objekten, die unter die Begriffe fallen) denkbar, wäre ein verstehender Zugang zum schizophrenen Denken prinzipiell unmöglich. „Gemeinsamkeit bzw. „Ähnlichkeit zwischen Begriffen (bzw. Objekten) ist aber keine ontologische, sondern eine konzeptuelle, begriffslogische Frage, eine Frage danach wie Beobachter oder Kommunikationsgemeinschaften Ähnlichkeit konstruieren. Die Prädikation von „Ähnlichkeit oder „Unterschiedlichkeit ist Resultat von kognitiven Operationen aufgrund vorab (apriori) festgelegter Kriterien von Unterschied oder Identität und nicht umgekehrt. Insofern sind Ähnlichkeiten zwischen Objekten in einem Begriffssystem soweit beliebig zu konstruieren wie sie diskursiv verständlich zu machen bzw. kommunikativ anschlußfähig sind. Im Falle des „schizophrenen Denkens ist aber die die Objekte verbindende Ähnlichkeit aus der Perspektive des „normalen Begriffssystems nicht gegeben.

6 Die aristotelische Syllogistik kennt drei verschiedene Figuren, später wurde sie um eine vierte erweitert. Sie unterscheiden sich danach, wo der Mittelbegriff (M) in den Prämissen steht. Der Mittelbegriff kann in den beiden Prämissen an Subjekt- oder Prädikatstelle stehen. So ergibt sich für die erste Figur folgende Form: MP, SM: SP. Sind Subjekt und Prädikat durch universelle bejahende Aussagen verknüpft, wird dies mit a (d. h. Jeder ist bzw. Alle sind) gekennzeichnet: Der Modus Barbara ist als Eselsbrücke (mnemotechnisch) so benannt, weil Barbara drei a´s enthält. Singuläre Sätze wie Sokrates ist ein Menschwurden an das syllogistische Schema angepaßt, indem solche singulären Sätze als A-Sätze (universell affirmativ und eben nicht partikulär) behandelt wurden. Der Satz Sokrates ist ein Mensch (SM) ist dann so übersetzbar in das syllogistische Schema von SaM, daß S zu Alle Dinge, die mit Sokrates identisch sind wird.

7 Inhaltlich ausgeführt könnte das ein Schluß sein, den jeder Logiker sofort als ungültig klassifizieren würde: Alle Logiker sind sterblich. Verrückte sind sterblich: Verrückte sind Logiker. Die Begriffe des Modus Hirsch im Modus Barbara formuliert, lauten folgendermaßen:
Alle Hirsche sind schnell
Indianer sind Hirsche
Indianer sind schnell.
Das wäre ein gültiger Schluß, dessen Konklusion notwendig wahr ist, sofern die Prämissen als wahr gelten. Insofern dürfte man hier die 2. Prämisse nicht akzeptieren, um den Schluß zu Fall zu bringen.

8 Auf der Kybernetik Tagung von 1948, die sich schwerpunktmäßig mit Sprache beschäftigte. Siehe Heims 1993, S. 79).

9 Vgl. Bateson 1991. Das posthum von Donaldson herausgegebenen Buch mit Arbeiten Batesons enthält einen Vortrag von 1980 mit dem Titel Men are Grass: metaphor and the World of mental Process. Bateson geht auch dort auf von Domarus und den Modus Gras ein (a.a.O. S. 235ff.), ohne ihn mit abduktivem Schließen in Verbindung zu bringen. In einem Essay aus dem Jahre 1976 (im selben Buch) diskutiert er die Peircesche Abduktion (a.a.O. S. 186).

10 Catherine Bateson (Bateson/Bateson 1993) bringt den Modus Gras mit der Abduktion zusammen: Das Thema der Metapher zieht sich durch Gregorys ganzes Werk. Ja, die Idee, die ihn in seinen letzten Wochen in Anspruch nahm, war die Idee von Metaphernsyllogismen (Syllogismen im Modus Gras, siehe Kapitel II). Der Gebrauch von Metaphernsyllogismen, von ihm Abduktion genannt, war für ihn eine grundlegende intellektuelle Strategie, die Suche nach Erkenntnis durch Analogie.... (Bateson/Bateson 1993, S. 272). Im von Catheraine Bateson erstellten Glossar dieses Buches heißt es unter Abduktion: "Die Form des Schließens, bei der eine erkennbare Ähnlichkeit zwischen A und B die Möglichkeit weiterer Ähnlichkeiten nahelegt. Oft von GB (Gregory Bateson) zwei anderen, bekannteren Schlußarten gegenübergestellt, Deduktion und Induktion." (a.a.O. S. 292)

11 In seinem Buch Geist. und Natur. Eine notwendige Einheit (1979, deutsch1982) bezieht sich Bateson explizit auf Peirce: Nun reichern wir unsere Erklärung durch den Prozeß an, den der amerikanische Logiker C.S. Peirce Abduktion nannte, das heißt, durch das Auffindenanderer relevanter Phänomene und die Argumentation, daß auch sie unter unsere Regel fallen.. (a.a.O. S. 108) Ein Rezensent dieses Buches wirft ihm vor, daß seine Argumentation vom logischen Fehler des affirming the consequent befallen sei, was Bateson in seinem Brief bestätigt und darauf hinweist, daß Peirce diese Schlußweise Abduktion nannte. Im folgenden verweist er auf Domarus und führt seinen Modus Gras als Beispiel solchen Denkens an. Vgl. The London Review of Books. 2. Jg. Nr. 1, 24. Jan. 1980. S. 2. Den Hinweis auf diesen Brief verdanke ich dem Freiburger Bateson Forscher Wolfram Lutterer. Seine groß angelegte Studie Auf den Spuren ökologischen Bewußtseins. Eine Analyse von Batesons Gesamtwerk ist 2000 erschienen.

12 Vgl. Richter (1995), S. 15. Richter gibt in seinem Buch eine ausführliche und gut an den Primärtexten belegte Geschichte des Abduktionsbegriffs. Auch Peirce betont in traditioneller anti-psychologistischer Manier immer wieder, daß die Logik als Untersuchung des Denkens nichts mit Psychologie zu tun habe, obwohl er gerade mit der Abduktion die Grenzen zwischen reiner Logik und Psychologie endgültig eingerissen hat.

13 Hier ist auf die ausgezeichnete Arbeit von Ines Riemer (1988) zu verweisen, die die Entwicklung der Peirceschen Induktionstheorie als Entdeckungstheorie zu einer Bestätigungstheorie nachzeichnet und anhand dieser Entwicklung verständlich macht, wie Peirce sein späteres Verständnis der Abduktion gewinnt.

14 So ordnet Peirce die drei Hauptaufgaben der Wissenschaft den drei Schlußweisen zu:(1 „ in the discovery of laws, which is accomplished by induction; 2) the discovery of Causes which is accomploished by hypothetic inference, and 3) the prediction of Effects, which is accompoished by deduction. CP 2.713, vgl. Riemer (1988), S. 23f.

15 Peirce führt später den kategorischen Syllogismus in einen konditionalen über, vgl beispielsweise: CP 5.189:.. The surprising fact, C, is observed. But if A were true, C would be a matter of course. Hence, there is reason to suspect A is true...

16 Peirce schreibt: Die abduktive Vermutung kommt uns wie ein Blitz. Sie ist ein Akt der Einsich, obwohl extrem fehlbarer Einsicht. Zwar waren die verschiedenen Elemente der Hypothese schon vorher in unserem Verstande; aber erst die Idee, das zusammenzubringen welches zusammenzubringen wir uns vorher nicht hätten träumen lassen, läßt die neu eingegebene Vermutung vor unserer Betrachtung aufblitzen. (Aus der Vorlesung Pragmatismus und Abduktion, Peirce 1991, S. 404 CP 5.180)

17 In der Terminologie des späten Wittgenstein müßte man hier natürch sagen, die Grammatik, als Form der Darstellung bzw. Beschreibung von Wirklichkeit hat sich verändert.

18 Eco formuliert das ohne das mit Zeichen operierende Subjekt zu erwähnen so: Die Abduktion ist daher das versuchsweise und risikoreiche Aufsprüren eines Systems von Signifikationsregeln, die es dem Zeichen erlauben, seine Bedeutung zu erlangen. (Eco 1985, S. 68). Es lassen sich verschiedene Abduktionstypen unterscheiden, je nachdem ob und wie die hypothetische Regel, auf die vom Resultat geschlossen wird, bekannt ist oder nicht. Wichtig ist die kreative Abduktion, wo die erklärende Hypothese (Regel) erst erfunden werden muß, wie im Falle von Paradigmenwechseln, wie Peirce sie selbst beschreibt. Die üb ercodierte Abduktion ist die alltägliche Zeicheninterpretation, wo den Zeichenbenutzern die Interpretationsregel sozusagen automatisch aus dem Kontext heraus zur Verfügung steht, um den Zeichen Bedeutung zuzuschreiben.. Vgl. dazu Eco 1985, S. 69ff. der sich auf Ansätze anderer Autoren bezieht.

19 Rudi Keller stellt bei der Kommunikation dem Hörer die primär deduktiven Schlussfolgerungsprozesse des Senders (Sprechers) gegenüber. Vgl. Rudi Keller 1995.

20 Peirce hat die Zirkularität die hier am Werk ist klar gesehen. So schreibt er bei der Begründung, daß wahrnehen immer interpretieren ist, über eine ganze Reie hypnotischer Phänomene, von denen so viele in das Reich gewöhnlicher Erfahrung fallen .... schließt das Faktum ein, daß wir das wahrnehmen, auf dessen Interpretation wir eingestellt sind....; während wir demgegenüber das, auf das unsere Einstellungen nicht passen, überhaupt nicht wahrnehmen. (Peirce 1991, S. 405, CP 5.184)

21 Es folgt nicht, daß Nicht-schraffierte Gebiete nichtleere Mengen darstellen!! In dieser Hinsicht sagt das Diagramm nichts aus.

22 Ein Ausdruck (Begriff) ist dann distribuiert, wenn er in seinem ganzen Umfang aufgefaßt wird bzw. wenn die Aussage über jedes einzelne Element der Menge prädiziert, für die der Ausdruck steht. Hier wird in der ersten Prämisse etwas über alle Hirsche ausgesagt, nämlich daß diese schnell sind, diese Aussage sagt aber nichts über jedes (alle) Element des Begriffs Schnelligkeit aus. Daher gilt nur der erste Begriff in einer a-Aussage als distribuiert. Analoges gilt für die zweite Prämisse, hier wird nur etwas über alle Indianer prädiziert, so daß hier nur der Begriff Indianer distribuiert ist. Schnelligkeit ist in beiden Aussagen nicht distribuiert.

23 Vgl. dazu Riemer, a.a.O. S. 39 ff.

24 When induction and hypothesis are looked upon in the proper point of view they are teh very opoposites of each other. Induction is an increas of the extension of a subject. Hypothesis is the incrrease of teh comprehension of a predicate. (W I, S. 271). Hier gebraucht Peirce den Begriff comprehension für Intension. Riemer illustriert den Unterschied zwischen Induktion und Hypothesis an Peirce Beispiel: Rinder (Rotwild, Schafe u.a.) sind Paarhufer (SM), Rinder sind Pflanzenfresser (SP) und Alle Paarhufer sind Pflanzenfresser (MP). Vgl. Riemer, a.a.O. S. 40f..

25 Ich vernachlässige den Unterschied zwischen dem was Peirce qualitative Induktion (anfangs Hypothesis) nennt und später dann Abduktion, weil ich hier auf die Semantik schauen möchte und nicht so sehr darauf, daß die Abduktion des Falles eine Erklärung für ein bislang unverstandenes Phänomen sein kann bzw. soll.

26 Wie das Wittgenstein in seiner Philosophie der Mathematik detailversessen zeigt. Vgl. BGM.

27 Begreift man den abduktiven Schluß hier als Erklärung eines bisher unverstandenen Phänomens (warum sind Indianer schnell?), dann würde die Schnelligkeit der Indianer (S a P, Ergebnis) über ihre Hirschhaftigkeit erklärt: sie sind schnell, weil sie Hirsche sind. Versteht man diese Aussage als Behauptung von Identität (weil sie Hirsche sind), dann ist das natürlich inkompatibel zur Alltagslogik. So beschrieben hätte man den Begriff Hirsch metaphorisch auf den Begriff der Indianer angewandt: Indianer sind Hirsche, allerdings ohne die Metaphorik als solche (wie im Satz: „Indianer sind wie Hirsche) kenntlich zu machen, genau das scheint das schizoprene Denken zu charakterisieren.

28 In diesem Zusammenhang ist Kants Verständnis der „systematischen Verrücktheit interessant, weil er darin die Idee formuliert, daß es ein System im Wahnsinn gibt. Ich möchte die entscheidende Passage aus Kants Anthropologie wegen ihrer klaren Formulierung und Relevanz ganz zitieren:
Denn es ist in der letzteren Art der Gemütsstörung nicht bloß Unordnung und Abweichung von der Regel des Gebrauchs der Vernunft, sondern auch positive Unvernunft, d.i. eine ganz andere Regel, ein ganz verschiedener Standpunkt, worein sozusagen die Seele versetzt wird, und aus dem sie alle Gegenstände anders sieht, und aus dem sensorio communis ... sich in einen davon entfernten Platz versetzt findet (daher das Wort Verrückung). Wie eine bergichte Landschaft, aus der Vogelperspektive gezeichnet, ein ganz anderes Urteil über die Gegend veranlaßt, als wenn sie von der Ebene aus betrachtet wird. Zwar fühlt sich die Seele nicht an einem anderen Ort im Raume .. aber man erklärt sich dadurch, so gut wie man kann, die sogenannte Verrückung. (BA 147/148)

29Ich übergehe hier das Problem von Regel und Regelfolgen sowie die Frage, wie deviante Regeln im Sozialisationsprozeß internalisiert werden. Ich habe dies ausführlich analysiert und diskutiert, so u.a. in Fischer 1987.


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